Organisation im Jugendgemeinderat

Arbeitstext für Jugendgemeinderäte basierend auf der Grundlage eines Workshop beim Dachverbandstreffen der Jugendgemeinderäte Baden-Württemberg vom 24. April 2010 in Burladingen.

1. Grundsätze
Grundgerüst der Organisation innerhalb des Gremiums bildet die Demokratie und die rechtliche Gleichheit aller Jugendgemeinderatsmitglieder. Um Überlastung und Frustration zu vermeiden ist eine gerechte Arbeitsteilung anzustreben. Und da in einem demokratischen Gremium allen eine größtmögliche Mitsprache ermöglicht werden soll, empfielt sich eine gemeinsame Planung und Leitung von Projekten außerhalb der Arbeitsgruppen. Die Sitzungen müssen regelmäßig stattfinden um eine Kontinuität in der Arbeitsweise zu gewährleisten, aus eigener Erfahrung empfielt sich hierbei ein 14-Tages-Rhythmus. Ebenso wichtig ist das Zeitmanagement bei den Sitzungen. Es sollten, je nach Größe der Tagesordnung und Umfang der einzelnen Punkte, ein bis zwei Stunden für qualikatives Arbeiten eingeplant werden. Es empfielt sich, dass sich die Sitzungsleitung vor Sitzungsbeginn Gedanken über die Zeitverteilung bei den einzelnen Tagesordnungspunkten macht – denn wenn die Zeit fehlt werden Punkte oftmals über einen längeren Zeitraum vertagt. Dies führt zum Fehlen von Interesse und aktuellem Bezug und ist im unmittelbaren Ergebniss wenig produktiv. Wie oben bereits erwähnt, empfielt sich die Einrichtung thematischer Arbeitsgruppen zu bestimmten Projekten und Fachbereichen. Diese sollten sich außerhalb der Gesamtplena treffen und ihre Ergebnisse zur Wahrung der Transparenz innerhalb des Gremiums dem Plenum vorstellen. Arbeitsgruppensitzungen haben generell eher internen Charakter, bei Plena bietet sich eine grundlegend öffentliche Tagung inklusive der Präsenz regionaler Medien zur Berichterstattung an, ausgenommen bestimmte, nichtöffentliche Punkte wie beispielsweise interne Konflikte oder ggf. Finanzen. Wenn es private Kontaktpflege zwischen den Gremiumsmitgliedern gibt, erleichtert dies oftmals die Zusammenarbeit und die Kommunikation untereinander, dieser Punkt erweist sich jedoch in praktischer Hinsicht als optional.

2. Praktische Umsetzung
Da ein Jugendgemeinderat von Beteiligung, Anregungen und konstruktiver Kritik vorallem Außenstehender lebt, empfielt es sich, öffentliche Kontaktmöglichkeiten zu schaffen. Beispielsweise kann der Jugendgemeinderat zu bestimmten Zeiten in seinen eigenen Räumlichkeiten, im Rathaus oder nach Absprache direkt an den Schulen Sprechstunden für die Jugendlichen anbieten, wo diese den Jugendgemeinderäten direkt ihre Anliegen äußern können. Eine andere Möglichkeit bietet das Aufstellen von Kästen oder Boxen an Schulen, Jugendzentren und dergleichen, wo die Jugendlichen ihre schriftlich niedergelegten Anliegen und Kritiken einwerfen können und die vom Jugendgemeinderat dann auch in den Sitzungen entsprechend behandelt werden. Dies ist ein Schritt in Richtung direkte Mitbestimmung der Jugendlichen im Jugendgemeinderat. Ein sehr wichtiger Punkt ist die politische Bildung der Jugendgemeinderatsmitglieder. Dies ist deshalb so wichtig, weil viele Jugendliche keinen persönlichen Zugang zum politische Geschehen oder schlichtweg kein begründetes Interesse daran haben. In den Satzungen der meisten Jugendgemeinderäte steht die “Förderung des kommunalpolitischen Bewusstsein” geschrieben. Politische Bildung muss daher ein Kernbestandteil der praktischen Arbeit von Jugendgemeinderäten sein. Selsbtverständlich muss diese im angemessenen Rahmen erfolgen und der Jugendgemeinderat darf dadurch kein einseitig politischer Bildungsträger werden – oftmals wird das politische Interesse bei Jugendlichen in Verbindung mit Kunst und Kultur geweckt. Aktivitäten wie “Musik gegen Rechts” oder “Thematische Kreativwettbewerbe” bieten sich hierfür an. Öffentlichkeitspräsenz ist ein weiterer Punkt von zentraler Bedeutung. Es sollten zu Veranstaltungen und Aktivitäten stets Zeitungsartikel in angemessenem Stil und Umfang in der lokalen Presse, sowie nach Möglichkeit in Schülerzeitungen erscheinen. Ein reger Kontakt und ein gutes Verhältnis ist hierbei oft hilfreich, ggf. kann man hierfür die Gunktion des Pressesprechers einführen. Zudem empfielt sich, vorallem bei größeren Events und Konzerten, das Plakatieren. Hierbei bietet es sich an, bei Schulen und lokalen Geschäften um Plakatiererlaubnis anzufragen. Nur duch gute, konsequente Public Relations kann eine Popularität des Gremiums bei der Zielgruppe erreicht werden. All diese Ideen lassen sich am besten mit einer positiven Gruppendynamik erreichn, d. h. eine offene, freundliche, an der Sache orientierte und antidiskriminierende Arbeitsweise. Durch gemeinsame Ausflüge und freizeitliche Aktiviäten lässt sich dieser Faktor erheblich verbessern. Ebenso kann man dadurch neue Kontakte knüpfen, auch zu Kooperationspartnern und Kommunalpolitikern. Ein Beispiel aus meiner Kommune: Im Sommer 2010 nahmen Mitglieder des Jugendgemeinderat Hechingen, darunter auch ich an einer Exkursion des deutsch-französischen Partnerschaftskomitee zum Napoleon-Museum in Arenenberg teil. Das Ergebniss war das Entstehen und festigen von guten Verbindungen zwischen Jugendgemeinderat und Komitee und eine positive Resonanz in der Presse, sowie vorallem ein gemeinsames Erlebniss im entspannten Rahmen. Zwischen Politik und Arbeit muss auch Zeit für Erholung und gemeinsame Aktivitäten sein, die auch in entsprechenden Bereichen klar vom politischen und der Arbeit im Gremium getrennt werden. Es gibt keine ideale Zusammensetzung von Jugendgemeinderäten. Wünschenswert ist jedoch ein größtmögliches Maß an Pluralismus, willheißen: Jugendliche aus allen sozialen Schichten – sozial schwächeren Schichten, Mittelstand und wohlhabenderen Schichten – mit und ohne Migrationshintergrund, mit und ohne Behinderung, aus dem Dorf und aus der Stadt, Hauptschüler und Gymnasiaten arbeiten zusammen. Die Realität sieht jedoch leider anders aus. Auf der einen Seite bietet eine quotierte Zusammensetzung des Jugendgemeinderat bespielsweise nach Wohnort oder Schulzugehörigkeit einen Gewinn an Pluralismus – auf der anderen Seite werden die Mitglieder nicht zwangsläufig demokratisch und nach Eignung, sondern in manchen Fällen über die Quotierung in den Jugendgemeinderat gewählt, was einige schnell zu “Quotenmenschen” abstempeln würde und eine sinnfreie Hierarchie erzeugt. Eine Quotierung macht daher aus meiner Sicht allgemein wenig Sinn, wobei jedoch immer die konkrete Situation zu betrachten und analysieren ist. Der Jugendgemeinderat muss einerseits die Aufgabe wahren, Jugendliche an kommunalpolitische Inhalte heranzuführen, andererseits aber auch die kollektiven und individuellen Wünsche von Jugendlichen im sportlichen und kulturellen Bereich bei seiner Projektplanung berücksichtigen. So sind Bandabende und Sportvernastaltungen sehr häufig von vielen Jugendlichen nachgefragt – auch weil in vielen Kommunen ein objektiver mangel an Angeboten vorhanden ist. Hier ist es selbstverständlich Aufgabe des Jugendgemeinderat, diesem Zustand entgegenzuwirken. Die Altersstruktur von einzelnen Jugendgemeinderäten kann große Unterschiede aufweisen. Im Jugendgemeinderat Hechingen ist eine Mitarbeit im Alter von 14 – 20 Jahren möglich, in anderen Gremien dagegen bis 25. Das durchschnittliche Maximalalter der Jugendverbände der Parteien (Junge Union, Jusos, Julis, Linksjugend [’solid] und Grüne Jugend; Stand 14. August 2011) ist mit 33, 6 Jahren deutlich höher. Ich persönlich plädiere für eine Verschiebung der Altersobergrenze nach oben, beispielsweise in Jugendgemeinderäten mit dem Maximalalter 20 auf 25 oder 30 Jahre. Grund ist die größere Anzahl von Jugendlichen, die daruch vom Jugendgemeinderat vertreten werden würde und die Tatsache, dass “ältere” Jugendliche im Alter über 20 oft auch erst in diesem Alter beginnen, sich für Politik und Ehrenämter eigenständig zu interessieren und aus meiner Sicht sollte man dieses Potenzial auf eigenverantwortliches Engagement nicht durch ein zu niedrig angesetztes Maximalalter verbauen. Dem Argument dass durch die potenziell auftretenden großen Alterunterschiede Wissens- und Kompetenzhierarchien geschaffen werden würden, kann durh´ch Schulungen und Seminare über Gruppendynamik aktiv entgegengewirkt werden. Zudem sind meist Jugendvertreter der Kommune, zum Beispiel die Jugendkoordinatorin oder der Stadtjugendpfleger anwesend, die solche Zuständen ebenfalls entgegenwirken können. Für die Realisierung von Projekten und Veranstaltungen empfielt es sich, regen Kontakt mit örtlichen Schulen, Vereinen, Verbänden, Organisationen und selbstverständlich Schulen zu pflegen. So hat man nicht vor jedem Event die Situation, erst eine generelle Vorstellung seitens des Gremiums durchführen zu müssen, sondern kann gleich mit dem Kooperationspartner die nötigen Sachaspekte behandeln.

3. Zentrale Punkte funktionierender Jugendgemeinderatsarbeit
Als Résumé dieser Betrachtungen lassen sich vier wesentliche Punkte festhalten, die unverzichtbar für eine erfolgreiche mittel- bis langfristige Jugendgemeinderatsarbeit sind.

3.1. Interesse
Die Mitglieder des Gremiums müssen interessiert und dadurch meistens auch engagiert mitarbeiten. Durch eine gute Kombination von nötigen und möglichen Projekten – Dinge, die getan werden müssen und Dinge, die man tun möchte – ist eine solide basis dafür geschaffen. Eine gute Arbeitsatmosphäre durch einen unbefangegen, offenen Umgang miteinander und auch durch konreoverse Diskussionen lässt sich das Interesse verstärken. Ein Höchstmaß an Basisdemokatie und Beteiligung aller an Entscheidungen ist ebenso elementar.

3.2. Zeitmanagement
Es muss stets genug Zeit eingeplant werden, um Sachverhalte und kontroverse Fragen in Ruhe diskutieren und beraten zu können. Projekte muss genug Zeit im voraus für die Planung und Organisation eingeräumt werden und es sollte nach Möglichkeit einen Zeitplan für Projekte geben. Durch regelmäßige, feste Sitzungstermine gewinnt man hier ebenfalls an Übersicht. Kulturelles, Politisches und Sportliches müssen in einem vernünftigen, für die Jugendlichen interessanten und zugleich qualikativen Gleichgewicht stehen.

3.3. Motivation
Zeit für Entspannung und Erholung ist sehr wichtig. Am besten verbessert sich die Gruppendynamik durch gemeinsame Ausflüge und Aktivitäten, die zudem allen Spaß bereiten. Im Idealfall erweitert man dadurch seine Kontakte, schafft neue Verbindungen und gewinnt an Vertrauen und Teamgeist, was in der Freizeit wiederum ein optimierendes Potenzial für die Arbeit im Gremium mit sich bringt – frei nach dem Motto “Das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden.”

3.4. Organisation
Eine gute Planung und grechte Aufgabenverteilung bilden den Grundstock von gelungenen Projekten und Veranstaltungen. Für größere Events sollten Arbeitskreis gebildet werden, welche die detaillierte Planung erarbeiten und Transparenz gegenüber dem Plenum wahren. Vorbereitungen müssen in gemeinschaftlicher, demokratischer Absprache getroffen werden und für unsichere Situationen sollte eine spontane Reaktionsmöglichkeit gegeben sein. Wichtig ist es, immer einen guten Überblick über den finanziellen Rahmen zu haben, wobei Profit als Grundkapital für zukünftige Events und Investitionen anzustreben ist.

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